Mit kleinen Kindern kann ein Samstagvormittag morgens noch fest geplant und mittags schon komplett erledigt sein.
Fieber, schlechte Nacht, Betreuung fällt aus.
Für die kinderlose Seite fühlt sich die dritte kurzfristige Absage vielleicht trotzdem enttäuschend an. Beides kann gleichzeitig stimmen, ohne dass jemandem die Freundschaft egal geworden ist.
Freundschaften müssen mit Kindern nicht automatisch schlechter werden. Sie verlieren nur ziemlich schnell ihre Spontaneität.
Aus „Kommst du später noch vorbei?“ wird irgendwann „Wie sieht der Sonntag in zwei Wochen zwischen Mittagsschlaf und Abendessen aus?“
Mal auf das Kind eines guten Freundes aufzupassen kann eine völlig normale Hilfe sein. Merkwürdig wird es erst, wenn aus „du hast ja keine Kinder“ automatisch „du bist bestimmt flexibel“ wird. Keine eigenen Kinder zu haben ist noch keine ehrenamtliche Bereitschaftsschicht.
„Meld dich, wenn du wieder Zeit hast“ klingt verständnisvoll und kann trotzdem monatelang zu gar nichts führen.
Ein konkretes „Ich komme Sonntag Nachmittag auf einen Kaffee vorbei, wenn es passt“ ist manchmal leichter.
Neue Lebensphasen brauchen vielleicht etwas weniger Spontaneität und etwas mehr Initiative von beiden Seiten.
Wenn jemand ein Kind bekommt, gibt es plötzlich sehr viel Neues, nach dem man fragen kann.
Irgendwann tut vielleicht auch die alte Frage wieder gut: Wie geht es eigentlich dir?
Eltern werden schließlich nicht zu Nebenfiguren im Leben ihres Kindes. Sie haben nur vorübergehend sehr wenig Bildschirmzeit im eigenen Film.
Die ersten Monate mit einem Baby sind wahrscheinlich ein schlechter Zeitpunkt, um die endgültige Qualität einer Freundschaft zu bewerten.
Manche Kontakte werden in dieser Phase leiser, ohne wirklich vorbei zu sein.
Ein halbes Jahr später kann wieder mehr Platz da sein. Nicht jede Distanz ist sofort ein neues Normal.
Ich verstehe, dass Freunde mit Kindern zeitlich viel weniger flexibel sind.
Trotzdem würde ich nicht wollen, dass daraus automatisch wird: Ich fahre immer zu ihnen, ich richte mich immer nach ihrem Kalender und meine Wochenenden sind grundsätzlich verschiebbar.
Rücksicht darf asymmetrisch sein. Sie sollte nur nicht dauerhaft einseitig werden.
Kinder im Freundeskreis haben einen praktischen Vorteil: Man kann der lustige Erwachsene sein, zwanzig Minuten Lego bauen und danach wieder nach Hause gehen.
Eigene Kinder wollen und die Kinder seiner Freunde mögen sind zum Glück zwei verschiedene Entscheidungen.
Schwierig fände ich, wenn jedes Problem ohne Kinder automatisch als kleiner gilt.
Natürlich ist ein krankes Kind etwas anderes als ein stressiger Arbeitstag. Trotzdem möchte ich in einer Freundschaft nicht irgendwann nur noch die Person sein, die angeblich immer Zeit und keine echten Sorgen hat.
Früher begann das Treffen um 20 Uhr.
Heute endet es um 20 Uhr.
Dazwischen liegen Frühstück, Spaziergang, Kaffee und vielleicht ein Spielplatz in der Nähe.
Die Freundschaft kann dieselbe bleiben, während ihre bevorzugte Zeitzone komplett umzieht.
Manchmal verändert sich gar nicht so sehr, mit wem man Zeit verbringt, sondern wo.
Früher Bar oder Restaurant, heute Kaffee am Küchentisch oder eine Runde durch den Park mit Kinderwagen.
Das kann trotzdem dasselbe gute Gespräch sein.
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